Formen des Bogenschiessens: modern, slavisch, türkisch, chinesisch, russisch

In Deutschland, Österreich und Schweiz findet man Bogenschiessen zumeist in Vereinen organisiert, manchmal sogar Unterabteilungen von Schützenvereinen. Dabei wird in Olympisches Schiessen mit Visier (FITA) und Blankbogen-Schiessen ohne Visier unterteilt. Während die FITA nur auf ebenem offenen Platz bis 90m weit auf Zielscheiben schiesst, erfreut sich das Blankbogenschiessen einer höheren Flexibilität, weil hier auch „quer“ aufwärts, abwärts, im Wald zwischen Bäumen geschossen wird. Relativ gleich ist in den meisten Vereinen, dass fast nur stehend geschossen und auf unbewegliche Ziele gezielt wird. Die Blankbogen-Fraktion schiesst auch gern auf Tierfiguren im Wald, eine optische Vielfalt.

Zum grössten Teil wird „modern“ oder „mediteran“ mit drei Fingern (teils mit Fingerschutz: Zeige-, Mittel- und Ringfinger) die Sehne gezogen und der Pfeil liegt auf dem Zeigefinger der Bogenhand oder einer Pfeilauflage. Weil dabei kein Finger den Pfeil am Bogen kontrolliert, kann nicht mit eingelegtem Pfeil sich bewegt werden (geht sowieso aus Sicherheitsbestimmungen zumeist nicht) oder schnell das Ziel gewechselt werden.

Anders die „türkische“ oder „asiatische“ Daumentechnik, bei der die teils reitenden Bogenschützen mit dem Daumen ziehen und den Zeigefinger zur Pfeilkontrolle am Bogen nutzen. So liegt der Pfeil auf dem Daumen der Bogenhand, das auflegen geht deutlich schneller. Dadurch werden Bewegungen mit eingelegtem Pfeil möglich sowie der Schuss vom Pferd.

Eine Mischform ist „slavisch“ zu ziehen, wobei der Zeigefinger der Pfeilhand den Pfeil am Bogen kontrolliert und dennoch der Pfeil auf dem Daumen der Bogenhand liegt. Somit bleibt der Ankerpunkt ähnlich wie beim „modernen“ Zug am Mund, statt wie beim „türkisch“-Ankerpunkt am Ohr. Zum Zug werden dabei nur Mittel- und Ringfinger genutzt.

Da ich persönlich das Bogenschiessen mit der Kampfkunst gern kombiniere und auch z.B. aus der Bewegung schiessen möchte, favorisiere ich klar die „türkische“ Form mit Ankerpunkt der Pfeilhand am Ohr. Durch die Pfeilkontrolle kann der Bogen schräg bis waagerecht gehalten werden, Schüsse aus dem Sitz, knieend oder liegend werden möglich. Beim „modernen“ Zug ist der Bogen dagegen senkrecht oder nur leicht schräg ausgerichtet, mit dem Langbogen wird so ein Schuss im sitzen unmöglich.

Bei der „russischen“ Zugform greifen die drei Finger von innen in die Sehne und ziehen zum Ohr, der Pfeil kann auf dem Daumen der Bogenhand liegen, der Bogen-Daumen den Pfeil dabei begrenzt kontrollieren.

Beim „chinesischen“ Zug wird mit dem Daumen gezogen zur Brust geankert, dadurch gewinnt der Schütze Zuglänge: während ich „modern“ 26 Zoll ausziehe, ziehe ich „türkisch“ zum Ohr 30 Zoll, „chinesisch“ zur Brust aber 36 Zoll aus.

Fühlt sich anders an, die „chinesische“ Zugform ist jedoch die schwierigste, weil der Ankerpunkt quasi durch die Pfeillänge fixiert wird und recht weit von den Augen entfernt ist.

Das grundlegende Prinzip, immer die gleiche Auszuglänge zu haben, wird mit allen Formen erreicht, wer jedoch einmal die Vorteile anderer Zugformen kennengelernt hat, findet seine Vorliebe bewusst. Die Kopfbewegung nach einigen Übungs-Monaten ist meist gleich, passend zum „warum habe ich das nicht schon früher so gemacht?“

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